Wie funktioniert ein Balkonkraftwerk – mit und ohne Speicher?
Ein Balkonkraftwerk ist eine kleine Solaranlage, die für die Montage auf Balkonen konzipiert wurde. Sie besteht in der Regel aus einem oder zwei Solarpaneelen, einem Wechselrichter und einem Anschluss für die Steckdose. Der erzeugte Solarstrom fließt direkt in das Stromnetz der Wohnung. Wird in diesem Moment auch Strom im Haushalt verbraucht, zum Beispiel durch den Kühlschrank oder die Waschmaschine, wird dieser Bedarf zuerst mit dem selbst produzierten Solarstrom gedeckt. Dadurch muss weniger Strom aus dem öffentlichen Netz bezogen werden, was die Stromkosten senkt.
Das Problem: Die Stromerzeugung und der Verbrauch im Haushalt stimmen zeitlich oft nicht überein. Vor allem zur Mittagszeit wird am meisten Solarstrom erzeugt – genau dann, wenn viele Haushalte wenig Strom brauchen, weil alle Familienmitglieder Arbeiten oder in der Schule sind. Als Folge fließen Überschüsse ins öffentliche Netz, ohne dass sie selbst genutzt werden können.
Ein Batteriespeicher soll genau dieses Problem lösen. Er speichert den überschüssigen Strom und stellt ihn später zur Verfügung – etwa am Abend, wenn die Sonne nicht mehr scheint, aber der Strombedarf steigt. Dadurch lässt sich der Eigenverbrauch erhöhen, was theoretisch zu sinkenden Stromkosten führen soll. Doch stimmt das auch bei einem Balkonkraftwerk?
Wirtschaftlichkeit: Wann rechnet sich ein Speicher wirklich?
Durch Versuche mit dem Stecker-Solar-Simulator der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin kam heraus, dass es bei einer Kapazität von 800 Watt ca. 6 bis 9 Jahre dauert, bis sich ein Batteriespeicher von etwa 1,5 Kilowattstunden Kapazität bezahlt macht, wenn ein Strompreis von 40 Cent und ein jährlicher Stromverbrauch von 1.500–3.000 Kilowattstunden zugrunde gelegt wird. Der Eigenverbrauch lässt sich dank Speicher laut dem Simulator im Durchschnitt zwar um etwa ein Drittel steigern, dafür ist die Investition aber extrem teuer.
Auch aus Klimasicht schneiden Batteriespeicher für Balkonkraftwerke eher schlecht ab. Zwar ersetzt gespeicherter Solarstrom emissionsintensiven Netzstrom, doch die Herstellung der Speicher verursacht selbst hohe Emissionen. Weil kleine Speicher selten intensiv genutzt werden, fällt die CO₂-Bilanz oft negativ aus.
Auch laut dem Ratgeber „Balkonkraftwerke“ der Stiftung Warentest lohnt sich ein Batteriespeicher für Balkonkraftwerke weder finanziell noch für die Umwelt. Gerade im Winter, wenn der Verbrauch hoch ist, gibt es einfach zu wenig Sonnenenergie zum Speichern.
Keine lohnende Investition: Hohe Kosten und praktische Hürden
Ein Batteriespeicher für ein Balkonkraftwerk bringt neben wenig Effizienz auch einige technische und praktische Hürden mit sich. Zum einen entstehen neben der Investition in den Batteriespeicher auch zusätzliche Kosten für Messeinrichtungen und die Verkabelung, um den Speicher korrekt in das PV-System einzubinden. Zudem haben Batteriespeicher nur eine begrenzte Zahl an Ladezyklen und müssen regelmäßig gewartet oder irgendwann ersetzt werden, was die Kosten weiter in die Höhe treibt. Da gerade im Winter die Auslastung oft sehr gering ist, weil nur wenig Solarstrom erzeugt wird, bleibt der Speicher häufig leer.
Solaranlage auf dem Dach für Eigenheime die bessere Lösung
Wer in seinem Eigenheim langfristig Stromkosten senken und wirklich klimafreundlich handeln möchte, ist mit einer Photovoltaikanlage auf dem Dach besser beraten. Sie bietet deutlich mehr Leistung als ein Balkonkraftwerk, ist wirtschaftlich sinnvoller und kann mit einem größeren Batteriespeicher kombiniert werden. Auch staatliche Förderungen und eine Einspeisevergütung für überschüssigen Strom, der ins Netz eingespeist wird, sind bei Dachanlagen möglich – bei Balkonkraftwerken gibt es diese Vergünstigungen nicht.
Zudem lässt sich eine Dachanlage individuell auf den Strombedarf des Haushalts abstimmen, während Balkonkraftwerke immer nur eine geringe Menge Solarstrom liefern können, selbst wenn höherer Bedarf gegeben ist. In Kombination mit einem Energiemanagement-System wird der Eigenverbrauch der Dachanlage noch weiter gesteigert, was die Unabhängigkeit vom Stromanbieter deutlich erhöht. Auch bei steigenden Strompreisen bleibt der Haushalt dadurch gut abgesichert. Für Eigenheimbesitzer ist die Investition in eine vollwertige PV-Anlage deshalb als bessere Lösung zu betrachten – sowohl für den Geldbeutel als auch für das Klima.
Balkonkraftwerk vs. Dachanlage für Eigenheimbesitzer
Balkonkraftwerk | Dachanlage | |
Leistung | Gering (meist 600–800 W, max. 2.000 W) | Hoch (mehrere kWp, je nach Dachgröße und Bedarf) |
Anpassung an Strombedarf | Nicht individuell anpassbar | Frei planbar und auf Stromverbrauch abgestimmt |
Stromkosten-Ersparnis | Begrenzt, weil wenig Strom erzeugt wird | Deutlich spürbar, Eigenverbrauch kann stark erhöht werden |
Einspeisevergütung | Nicht möglich | Möglich für überschüssigen Strom |
Förderung | Keine staatliche Förderung | Förderfähig über KfW & Co. |
Speicherintegration | Möglich, aber teuer und wenig sinnvoll | Effizient kombinierbar mit größerem Speicher |
Wirtschaftlichkeit | Günstiger Einstieg, aber begrenzte Wirkung | Höhere Investition, langfristig deutlich rentabler |
Klimaschutzbeitrag | Begrenzter Effekt durch geringe Leistung | Hoher Beitrag durch große Erzeugungsmenge |
Unabhängigkeit vom Stromnetz | Gering | Hoch – besonders mit Speicher und EMS |
Eignung | Gut für Mieter | Bessere Wahl für Eigenheimbesitzer |
Fazit: Ein Speicher lohnt sich für Balkonkraftwerk nicht
- Für Mieter kann ein Balkonkraftwerk durchaus ein guter Einstieg in die Solarenergie sein, denn es lässt sich später wieder entfernen und bei einem Umzug mitnehmen. Doch ein Batteriespeicher lohnt sich nicht – weder finanziell noch ökologisch.
- Eigenheimbesitzer sollten lieber von Anfang an auf eine individuell geplante PV-Dachanlage setzen. Hier lohnt sich auch ein Stromspeicher, um den Eigenverbrauch noch mal deutlich erhöhen. Wilms Solar berät Sie gern.